Dr. Rebecca Böhme

Berührung und Selbst – Leibliche Erfahrung in Bildung und Resilienz


Berührung, insbesondere zwischenmenschliche Berührung, trägt entscheidend zu unserer Selbst-Erfahrung sowie dem Erleben unserer Umwelt bei. Die Digitalisierung beinahe aller Bereiche unseres Lebens führt zu einer Verringerung zwischenmenschlicher Kontakte im wörtlichen, d.h. im leiblichen Sinne. Während dies für jeden Menschen zu einer Verarmung der Erfahrungswelt führen kann, ist es besonders für Kinder und Jugendliche kritisch, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet. Welchen Einfluss die Digitalisierung auf die kognitiv-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben wird, ist noch nicht abzusehen, doch eben diese Unsicherheit sollte uns zu vorsichtigem und methodischem Vorgehen anhalten. Erst, wenn wir verstehen, in welchem Rahmen digitalisierte Bildung sinnvoll ist – und welche Bereiche leiblicher Erfahrung wir erhalten müssen, sollten wir diese für Bildungszwecke einsetzen. Des Weiteren plädiere ich dafür, dass Bildung gerade dieser Verarmung sensorischer Erfahrung und zwischenmenschlichen Erlebens gegensteuern und damit verbundene Kompetenzen vermitteln sollte.