Veronika Hilzensauer, M.A.

Adorno revisited: „Erziehung zur Mündigkeit“ statt einer Erziehung zum digital verwalteten Subjekt

 

  „Mündigkeit“ ist zu einem Schlagwort und Leitmotiv im Bildungsdiskurs geworden doch selten wird der Begriff selbst, als auch seine Voraussetzungen kritisch hinterfragt. Vielmehr ist der Begriff zu einer leeren Pathosformel verkommen, da „Mündigkeit“ vorschnell immer dann gefordert wird, wenn es scheinbar um die Ausbildung einer (neuen) Fähigkeit angesichts von (neuen) gesellschaftlichen Herausforderungen geht – wie neuerdings auch im Bereich der Digitalität oder KI. Dass Mündigkeit ganz im Gegenteil keine fix auszubildende Fähigkeit ist und keiner weiteren Zwecksetzung dienen kann, sondern stattdessen in der widerständigen Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen besteht, möchte der Vortrag zeigen. So besteht Mündigkeit gerade nicht in der ‚Einpassung‘ an bestimmte Normen und gesellschaftliche Denkweisen, sondern vielmehr in der kritischen Auseinandersetzung mit ihnen. In diesem Sinne wird in dem Vortrag ein Bildungsbegriff kritisiert, der die Bildungsziele im Vorhinein definiert ohne den Blick auf den Menschen oder den Kontext zu werfen (denn nicht die Menschen gilt es an das Bildungssystem anzupassen sondern das System an die Menschen). Inwieweit eine solche vermeintliche „Bildung“ Gefahr läuft, die Menschen zu unkritischen, weil zweckrational erzogenen Menschen zu ‚machen‘, wird darüber hinaus gezeigt. In diesem Sinne wird argumentiert, dass nicht die „digitale Zeitenwende“ das Problem ist, sondern der unkritische, weil unmündige und somit zweckrationale Umgang mit der KI, denn nicht die Verwaltung von Dingen, sondern die von Menschen ist das Problem, wie Adorno einmal festhielt.