Prof. Dr. Mirjam Schaub

Philosophische Kunstraumforschung. Ein Versuch zur Neuordnung von Erkenntnis und Interesse


Im Zeichen des Digitalen ist jede Information nur einen Klick weit entfernt, eine perfekte Auslagerung der eigenen Wissenslücke. Wie wie wird Weltwissen fortan strukturiert, wie das eigene Menschsein konturiert? Stimmt der alte homo-mensura-Satz der alten Griechen noch, oder sind es nicht vielmehr die Algorithmen und das ihnen innewohnende social design, was die Vorstellung der Unberechenbarkeit und Ungeheuerlichkeit des Menschen ad acta gelegt hat? Der Vortrag versucht einige dieser Fragen mit Blick auf den pädagogisch unverdächtigen Schein der Kunst, wie ihn Schiller zuerst beschrieb, zu beantworten. Der moderne Kunstraum wird dazu als das perfekte interface begriffen, das der erstaunliche Entschiedenheit der Werke, die in ihm reüssieren, durch einen strukturell offenen Rahmen überhaupt erst erträglich macht. So kommt es, dass Kunstwerke radikale, einseitigere Formen der Reflexion über Gott und die Welt (nicht unbedingt über das Kunstwerk als solches) anstoßen als es die konventionell auf Kritik und Selbstkritik geeichten Diskursformen der Philosophie je tun können. Interessant ist die sich anschließende Spekulation: Verwirklicht allein moderne Kunst die der Philosophie eigenen Zwecke, mit drastischen deiktischen, statt mit diskursiven Mitteln?