Kristina Steimer M.A.

Selfie-Hype, zeitgenössische Selbstbildungspraktiken und ihre Relevanz für digital-sozialen Wandel

 

Der Beitrag möchte zeigen, inwiefern das Selfie-Phänomen als eines der erfolgreichsten Genres der Gegenwartsgesellschaft Emblem für ein Denken von Subjektivität ist, in dessen Fokus eine Idee von Selbstmitteilung steht, die eng mit dem Generieren von Aufmerksamkeit verknüpft ist und die für die Währung des digitalen Zeitalters, d.h. Daten und deren effiziente Erfassung, als notwendiger Wechselkurs fungiert. Ziel ist ein ideologiekritischer Blick auf das Massenphänomen, in dem das Produkt ‚Selbstbild‘ als spätmoderne Ideologie in Erscheinung tritt, welche via digital-sozialen Infrastrukturen die Idee reproduziert, dass kein Bild von sich zu geben, keine Option sei. Dazu wird das Selfie mit Sören Kierkegaard als Reflexionsprozess gedeutet, dessen existentielles Fragen nach dem Selbstsein immer schon auf die letzte Nicht-Mediierbarkeit im Vollzug des Selbstverhältnisses verweist. Die Entwicklung und das Mitteilen von Selbstbildern sind aber nicht nur für die Selbstbildung relevant, sondern bedingen, formen und festigen das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und dem Allgemeinen, zwischen Subjekt und Gesellschaft.